Prioritäten und Spezifische Ziele

Im Prozess der Programmierung des INTERREG VI-A Programms Bayern – Österreich 2021-2027 mussten viele Aspekte berücksichtigt werden. Es bedurfte neben einer guten Abstimmung auf mehreren Ebenen, auch einer gewissen Flexibilität bei der Ausarbeitung. 

Das Programm verfolgt die Strategie einer innovativen, zukunftsfähigen Wirtschaft, einer resilienten Umwelt, eines nachhaltigen Tourismus sowie einer integrierten Regionalentwicklung – eingebettet in eine gemeinsame grenzüberschreitende INTERREG Governance.

Die Programmarchitektur setzt sich im Wesentlichen aus 5 Politischen Zielen zusammen, die thematisch in 5 Prioritäten mit 7 Spezifischen Zielen aufgegriffen werden. Gerne möchten wir Ihnen diese hier vorstellen, um eine Idee davon zu bekommen, in welchen Bereichen grenzüberschreitende Projekte in der Förderperiode 2021-2027 unterstützt werden können. Nachstehend finden Sie die abgestimmten Programminhalte des Kooperationsprogrammes INTERREG VI-A Bayern-Österreich 2021-2027.

 

Priorität 1 „Zukunftsfähig“

Die Priorität 1 verfolgt das Ziel einer positiven Positionierung des Programmraumes im Hinblick auf wirtschaftliches Wachstum und Innovationskraft durch aktives Bearbeiten von Disparitäten und Herausforderungen im Programmraum. Es geht vor allem um:

  • Stärkung der FuEul-Kraft unter Nutzung des Potenzials der gesamten Region und möglicher Synergien
  • Zugang für regionale Unternehmen zu Wissenssystemen
  • Stärkung von unternehmerischer Kompetenz in Bezug auf Innovation, Spezialisierung, Agilität und Resilienz
  • Stärkung der Zukunftsfähigkeit der Unternehmenslandschaft im Programmraum

Spezifisches Ziel 1: Innovatives und zugängliches grenzüberschreitendes Wissenssystem

Mögliche Maßnahmen:

  • Gemeinsame Entwicklung und Vertiefung von Technologien und Themenfeldern mit klarem Anwendungsbezug zur regionalen Wirtschaft
  • Aufbau von zugänglichen grenzübergreifenden Wissensplattformen/ Kompetenznetzwerken zu thematischen Schwerpunktthemen (ev. in Verbindung mit regionalen Cluster- / Netzwerkinitiativen)
  • Forschung zu sozialen und organisationalen Folgen und Aspekten der Digitalisierung und Technologisierung mit unterschiedlichen Nutzer- bzw. Gesellschaftsgruppen
  • Aktiver und gezielter Transfer von technologischem Wissen in die regionale Unternehmenslandschaft
  • Konkrete, gemeinsame Forschungs- und Entwicklungs- sowie Innovationsprojekte (FuEuI) zwischen Wissensträgern und Unternehmen der Region

Spezifisches Ziel 2: Zukunftsfähige und kompetente Unternehmenslandschaft im Programmraum

Mögliche Maßnahmen:

  • Grenzüberschreitend erarbeitete Hilfestellung speziell für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMUs) in bestimmten Branchen oder Stärkefeldern, in Industrie und Handwerk, zur Nutzung von künstlicher Intelligenz, Möglichkeiten zur Nutzung von Big Data und anderen smarten Lösungen
  • KMU bezogene Pilot- oder Modellanwendungen zur Circular-Economy, ebenso Konzepte und Handleitungen zur Umsetzung von Kreislaufwirtschaft in Betrieben der Region
  • Gemeinsame berufliche Weiterbildungsangebote, die fachspezifische Bedarfe der regionalen Unternehmen, aber auch neue notwendige „Softskills“ (digitale Kompetenzen, Wissen zu Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz etc.) adressieren und grenzüberschreitend wahrgenommen werden können
  • Gemeinsame Aktivitäten zur Förderung von Entrepreneurship in den Grenzregionen
  • Gemeinsame Entwicklung von Start-up-Laboren, Startup-Hubs oder Inkubatoren, Zusammenarbeit von Spin-off Angeboten der Universitäten, etc

Priorität 2 „Resiliente Umwelt“

Die Priorität verfolgt das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der spezifischen naturräumlichen Bedingungen im Programmraum unter Berücksichtigung der Sensibilitäten und Anfälligkeiten der Umwelt. Es geht insbesondere um:

  • Proaktiven Umgang mit Fragen des Klimawandels
  • Verstärkung der Anpassungsaktivitäten
  • Schutz und Verbesserung von Naturräumen, Natur- und Kulturlandschaften sowie der Biodiversität im Programmraum
  • Erneuerungspotentiale erarbeiten und umsetzen.

Spezifisches Ziel 3: Proaktiver Umgang mit Klimawandel und Klimaanpassung

Mögliche Maßnahmen:

  • Gemeinsame Entwicklung integrativer, d.h. alle relevanten Sektoren wie etwa Siedlungsentwicklung, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Naturschutz beinhaltender Konzepte und Umsetzungsstrategien zur Klimaanpassung, Risikoprävention und Katastrophenresilienz für grenzübergreifende Teilräume
  • Entwicklung gemeinsamer sektoraler (Umsetzungs-) Strategien zur Klimaanpassung und Risikoprävention z.B. in den Bereichen Forst- und Landwirtschaft, Bau und Siedlungsentwicklung, Gesundheit
  • Adaptives Management von Ökosystemen für Klimaanpassung (z.B. Anpassung von Bergwäldern an den Klimawandel)
  • Gemeinsame Entwicklung und Erprobung sowie Abstimmung einer klimafolgenangepassten Wasserwirtschaft und naturverträglicher Hochwasserschutzmaßnahmen (z.B. Sicherung und Wiederherstellung natürlicher Hochwasserrückhalte und -abflussräume)
  • Grenzübergreifende Studien, (Umsetzungs-) Strategien sowie Pilot- und Demonstrationsvorhaben zur Risikoprävention in Bezug auf klimawandelbedingte Naturgefahren (z.B. Trockenheit, Überschwemmungen, Waldbrände, Felsstürze, Erdrutsche, Lawinen)
  • Grenzüberschreitende Konzepte und Umsetzungsstrategien zur Prävention von Naturrisiken sowie Verbesserung und Vertiefung des Managements und der Zusammenarbeit bei Naturkatastrophen (z.B. Hochwasser)
  • Gemeinsame Konzepte und Umsetzungsstrategien zur Information, Kommunikation und Bewusstseinsbildung in Bezug auf Klimawandel, spezifische Betroffenheiten und entsprechende Anpassungsnotwendigkeiten

Spezifisches Ziel 4: Schutz, Verbesserung und Erneuerung der Biodiversität im Grenzraum

Mögliche Maßnahmen:

  • Pilot- und Demonstrationsvorhaben zum Schutz bzw. Wiederherstellung programmraumtypischer Ökosysteme und Lebensräume (z.B. Bergwälder, Bergmähwiesen, Moore, Fließgewässer, Auwälder)
  • Konzepte und Umsetzungsstrategien sowie modellhafte Umsetzungen zur grenzüberschreitenden Vernetzung von Schutzgebieten und Biotopen, Herstellung ökologischer Korridore (z.B. für große Beutegreifer oder wildlebende Huftiere), Ergänzung um Trittsteinbiotope, Verbesserung der Durchlässigkeit von Wanderbarrieren (Straße, Schiene, Wehre)
  • Grenzüberschreitendes Management von Schutzgebieten (z.B. Natura 2000-Gebiete)
  • Identifikation von Schafstoffeinträgen in Luft, Wasser und Boden, Entwicklung von Minimierungsstrategien und darauf bezogene Pilot- und Demonstrationsvorhaben
  • Kommunikations-/Dialog- und Beteiligungsformate für kooperative Ansätze in Naturschutz und Landschaftspflege
  • Integrierte Ansätze, um Biodiversitätserhalt in relevanten Sektoren zu integrieren (z.B. Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Verkehr, Raumordnung)
  • Vermittlung und Vertiefung von Umweltwissen(z.B. gemeinsame Informationsgrundlagen, Monitoringaktivitäten) und Umweltbildung

Priorität 3 „Nachhaltiger Tourismus“

Die Priorität 3 verfolgt das Ziel einen nachhaltigen, resilienten und integrierten Tourismus als Motor für die regionale Entwicklung und Beschäftigung im Programmraum zu stärken. Den spezifischen Herausforderungen im Tourismus soll lösungsorientiert begegnet werden. Folgende Aspekte sind dabei im Fokus

  • Gemeinsame Lösungen für programmraumspezifische Herauforderungen – Digitalisierung, Fachkräfte, Overtourism,…
  • (Weiter-) Entwicklung grenzübergreifender touristischer Angebote zwecks Diversifizierung, Nachhaltigkeit und Resilienz

Spezifisches Ziel 5: Nachhaltige und integrierte Tourismusentwicklung

Mögliche Maßnahmen:

  • Digitalisierung: z.B.: Entwicklung grenzübergreifender Informations- und Buchungsangebote, digital gestützter Mobilitätslösungen sowie von Qualifizierungsangeboten für KMU und touristische Familienbetriebe zur verstärkten Nutzung digitaler Lösungen;
  • Fachkräfte, Qualifizierung und Arbeitsmarkt: z.B. grenzübergreifende Aktivitäten zur Qualifizierung, Weiterbildung und Attraktivitätssteigerung der Arbeitsbedingungen, gemeinsame Projekte zur Fachkräftegewinnung und -bindung;
  • Overtourism: z.B. Strategien und Maßnahmen zur Besucherlenkung und Reduzierung der Überbeanspruchung natürlicher oder kultureller Ressourcen (z.B. Wegeführung, Mobilitätskonzepte, Nebensaison), die grenzüberschreitende Entwicklung und Führung von Wander- und Radwegen, Verbindungen des öffentlichen Verkehrs.
  • Die neuen oder weiterentwickelten Angebote stärken die Diversifizierung und Resilienz im Tourismus (z.B. Gewinnung neuer Zielgruppen, Verbreiterung der Angebote in Raum und Zeit, Stärkung der Kompetenzen und Qualifizierung der Leistungsträger).
  • Die neuen oder weiterentwickelten Angebote tragen zu einem schonenden Umgang mit natürlichen und kulturellen Ressourcen bei (z.B. regionale Wirtschaftskreisläufe, Erlebnisgestaltung durch gezielte Besucherlenkung).
  • Die neuen oder weiterentwickelten Angebote leisten einen substanziellen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität (z.B. Zugänglichkeit und Nutzen der touristischen Angebote auch für die lokale Bevölkerung).
  • Die neuen oder weiterentwickelten Angebote zielen auf die Verknüpfung mit anderen Sektoren (z.B. Landwirtschaft, Arbeitsmarkt und Bildung, lokales Handwerk und Gewerbe, Naturschutz, Zivilgesellschaft).

Priorität 4 „Integrierte Regionalentwicklung“

Die Priorität 4 verfolgt das Ziel einer integrierten territorialen Entwicklung zur Sicherung der Lebensqualität im Programmraum vor dem Hintergrund der spezifischen topographischen Gegebenheiten und Herauforderungen und der Konzentration von spezifischen Entwicklunsfaktoren in den granzüberschreitenden Handlungs- und Bezugsräumen. Folgende Aspekte stehen hierbei im Fokus:

  • Integriertes Vorgehen bei Nutzungskonfliken und sich verstärkenden Entwicklungen in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Mobilität, Klimawandel, etc.
  • Territoriale Strategien zur Umsetzung der spezifischen räumlichen Entwicklungsziele in den funktionalen Teilräumen im Programmraum (Euregios)

Spezifisches Ziel 6: Integrierte territoriale Entwicklung zur Sicherung der Lebensqualität

Euregionale Strategien:

  • Regionsspezifische Themen, je nach funktionaler Teilregion, die eine integrierte Bearbeitung nahelegen
  • Verschärfung von bestimmten Herausforderungen, durch das topographisch bedingte Aufeinandertreffen von vielen Nutzungsansprüchen in den Teilregionen
  • Euregionale Strategien zeigen spezifische grenzüberschreitende Handlungserfordernisse in spezifischen Handlungsfeldern auf, wie bspw. Raumplanung, Siedlungsentwicklung, Kreislaufwirtschaft, Mobilität, Gesundheit, Soziales, etc.

Priorität 5 „Grenzüberschreitende Governance“

Die Priorität 5 verfolgt das Ziel einer Verbesserung des Zusammenlebens und -arbeitens im Alltag der Grenzregionen durch die Nutzung vorliegender gemeinsamer Potentiale und Minderung von Barrieren und Hemmnissen. Dabei geht es vor allem um den Abbau bestehender Grenzhindernisse in folgenden Bereichen:

  • Individuelle Ebene
  • Rechtlich-administrativer Bereich
  • Struktureller Bereich von Organisationen

Spezifisches Ziel 7: Gemeinsamer Abbau von Grenzhindernissen

Maßnahmen in drei Bereichen möglich:

People-to-people-Kleinstprojekte

  • Begegnungsmaßnahmen in den unterschiedlichsten thematischen Bereichen (Kultur, Bildung, Bürgerbeteiligung,…)
  • Erfahrungsaustausch und Wissensplattformen

Abbau von „border obstacles“

  • Definition von spezifischen rechtlich administrativen Grenzhindernissen (e-ticketing ÖPNV, Blaulichtorganisationen, Arbeitsrecht für Grenzgänger,…)
  • Ausarbeitung von Handlungsanleitung/ Lösungsansätzen

Aufbau von dauerhaften, langfristigen grenzüberschreitenden Strukturen

  • Grenzüberschreitende Verkehrsverbünde, Grenzüberschreitende Ausbildungsverbünde, Grenzübergreifende Energieregionen, etc.