In ländlichen Grenzregionen Bayerns und Tirols gewinnt der Versorgungsgrundsatz „ambulant vor stationär“ zunehmend an Bedeutung. Community Health Nurses (CHN) könnten als koordinierende Akteure eine grenzüberschreitende Versorgung fördern, die zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung erforderlich ist. Daher entwickelt und pilotiert das Projekt ein grenzüberschreitendes CHN-Modell in 4 zentralen Handlungsfeldern:
1. Sozialplanung: Governance-Strukturen für Gebietskörperschaften und Pflegeeinrichtungen werden verbessert, um grenzübergreifend Versorgungsstrategien zu entwickeln, organisatorische Barrieren abzubauen und Verantwortlichkeiten für pflegerische Versorgung – koordiniert durch CHN – klar zu definieren. Netzwerktreffen und Workshops aller Stakeholder fördern die interdisziplinäre Zusammenarbeit.
2. Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die sektoren- und grenzübergreifende Kooperation zwischen CHN, Medizin und Sozialdiensten wird durch koordinierte Versorgungsmodelle gestärkt. Mindestens 20 Fachkräfte sollen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit geschult werden.
3. Digitale Transformation: Bestehende IT-Lösungen für Koordination von Pflegediensten werden analysiert und optimiert, um eine interoperable Plattform für einen verbesserten Datenaustausch und interdisziplinäre/grenzübergreifende Kommunikation einzuführen.
4. Personelle Qualifizierung: Schulungsprogramme stärken die pflegerische Fachkompetenz und sichern durch Kooperationen mit Hochschulen eine praxisgerechte Fortbildung für CHN.
Die Projektpartner Hochschule Kempten und UMIT TIROL verfügen über umfassende Expertise in Versorgungsforschung und digitaler Transformation im Gesundheitswesen. Sie entwickeln Schulungsprogramme und evaluieren die Maßnahmen, während Pflegeeinrichtungen die praktische Umsetzung verantworten und öffentliche Verwaltungen zur Governance und Verstetigung beitragen. Gemeinsam entwickeln sie evidenzbasierte Lösungen für eine nachhaltige grenzüberschreitende Versorgung.
Ziel des Projekts ist die Etablierung einer nachhaltigen grenzüberschreitenden, pflegegeleiteten Versorgung auf Basis eines skalierbaren CHN-Modells in Bayern und Tirol. Ein besonderer Fokus liegt auf der Überwindung besonderer struktureller und organisatorischer Barrieren in Grenzregionen durch praxisnahe Konzepte wie das „Intervention Wheel“. Ergänzend werden Empfehlungen entwickelt, die eine Harmonisierung gesetzlicher Vorgaben anstreben und die Zusammenarbeit erleichtern.
Ein weiteres Ziel ist die Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen der Pflege und anderen Gesundheitsprofessionen durch den Aufbau sektorübergreifender Netzwerke, die den Informationsaustausch verbessern und die Versorgung auf eine ganzheitliche Betreuung ausrichten.
Ein unterstützendes Ziel ist die Implementierung digitaler Lösungen. Bestehende IT-Systeme werden analysiert, um Organisationen gezielte Vorschläge zur Optimierung des Informationsaustauschs und der Entscheidungsunterstützung zu bieten. Pflegekräfte werden durch Schulungen auf eine ressourcenschonende Nutzung digitaler Systeme vorbereitet, um die Versorgung in strukturschwachen, grenznahen Regionen langfristig zu sichern. Möglichkeiten von KI-basierten Lösungen werden explorativ untersucht.
Zur Erreichung dieser Ziele konzentriert sich die Forschung auf zentrale Fragestellungen:
1. Wie kann das CHN-Konzept erfolgreich in Grenzregionen implementiert werden?
2. Welche Herausforderungen und Erfolgsfaktoren beeinflussen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit?
3. Welche Anforderungen müssen IT-Lösungen erfüllen, um die interprofessionelle Zusammenarbeit zu unterstützen?
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Modell für andere europäische Grenzregionen dienen und die gesundheitliche Versorgung nachhaltig verbessern. Ein kontinuierliches Monitoring stellt sicher, dass die gesetzten Ziele erreicht und nachhaltig implementiert werden.
Das Projekt schafft nachhaltige Verbesserungen auf folgenden Ebenen:
Systemisch: Durch die Harmonisierung der Versorgungsprozesse unter Einbeziehung von CHN in Bayern und Tirol werden Ungleichheiten in der Pflege reduziert. Der Austausch bewährter CHN-basierter Versorgungsansätze fördert die Entwicklung einheitlicher klient:innenzentrierter Strategien. Leitlinien und digitale Plattformen verbessern die sektorübergreifende Zusammenarbeit und schaffen nachhaltige Versorgungsstrukturen.
Organisational: Gesundheits- und Pflegeorganisationen profitieren durch die Etablierung von CHN von optimierten Prozessen und verbesserter Zusammenarbeit. Digitale Lösungen fördern eine effiziente Koordination zwischen Pflege, Medizin und Sozialdiensten. Schulungen vermitteln CHN praxisnahe Kompetenzen zur digitalen gemeindenahen Versorgungsgestaltung.
Individuell: Betroffene/Angehörige profitieren von einer klient:innenzentrierten grenzüberschreitenden Versorgung. CHN fungieren in strukturschwachen Regionen als zentrale Ansprechpersonen, schließen Versorgungslücken und fördern die Selbstbestimmung.
Umsetzungsdimensionen:
1. Kommunikation/Kooperation: Digitale Prozesse verbessern die interprofessionelle grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
2. Governance: Klare Aufgabenverteilungen/Leitlinien sichern eine transparente grenzüberschreitende Pflegekoordination durch CHN.
3. Qualifikation: Schulungen stärken CHN in grenzüberschreitender Versorgung und digitalen Anwendungen.
4. Digitalisierung: IT-Systeme werden angepasst, um den Informationsaustausch zu optimieren.
5. Öffentlichkeitsarbeit: Kommunikationsstrategien erhöhen die Akzeptanz von CHN bei der Bevölkerung/Fachkräften.
6. Evaluation: Fortlaufende Evaluierungen sichern eine nachhaltige Umsetzung/Qualitätsverbesserung.
7. Grenzübergreifendes Lernen: Netzwerktreffen fördern den Austausch und Wissenstransfer.
Das Projekt dient als Modell für europäische Grenzregionen und trägt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung bei.
Name der Organisation
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Anschrift der Organisation
Bahnhofstraße 61
87435 Kempten
Ansprechpartner
Prof. Dr. Katja Bochtler & Dr. Florian Fischer
Zuordnung des Leadpartners:
Schwaben
Name der Organisation
UMIT TIROL
Anschrift der Organisation